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Antonín Dvořák (1841-1904)
Streichquartett Nr. 5 in a-Moll, Op. 9 (1873)
Streichquartett Nr. 13 in G-Dur, Op. 106 (1895)
Das Gringolts Quartett spielt die beiden Streichquartette erstmals auf Darmsaiten und wird die Werke bei dem Label Arcana aufnehmen.
Gringolts Quartett
Ilya Gringolts | Violine
Anahit Kurtikyan | Violine
Silvia Simionescu | Viola
Claudius Herrmann | Violoncello
Das Spiel auf Darmsaiten – zu den Werken Fragen an Ilya Gringolts
Frage ( ? ) Was ist die Motivation, auf Darmsaiten zu spielen – geht es da um historische Aufführungspraxis, um die Suche nach dem Originalklang?
Ilya Gringolts ( IG ): Nein. Was genau dieser Originalklang ist, weiss niemand, da ihn niemand von uns gehört hat. Wir können darüber nur spekulieren. Es geht eher um eine körperliche Sache – es gefällt mir einfach physisch, auf Darm zu spielen und mit klassischem Bogen. Oft macht es gleich mehr Sinn. Alles ist logischer, man hat einen direkten Weg zu Artikulation, Phrasierung, Klangerzeugung. Das klappt einfach besser und ist irgendwie bodenständiger auf historischen Instrumenten
? Was genau heißt das, dieses Physische bei den historischen Instrumenten – ist der Klang direkter?
IG: Genau. Alles, was Anschlag angeht – Attacke, Touché – kommt irgendwie schneller, es gibt diese Klarheit. Wenn es um Originalklang geht, spricht man ja auch gerne über die Klarheit des Anschlags.
? Was heisst, es dauert, bis die Saiten sozusagen warm sind?
IG: Die Darmsaiten sind zu Beginn, wenn man sie neu aufspannt, ein paar Tage etwas empfindlicher als Metallsaiten oder Perlonsaiten. Sie brauchen ein wenig Zeit, bis sie sitzen und halten. Wobei sie dann auch dauerhafter sind. Metallsaiten klingen bei mir nach einem, maximal zwei Monaten schlecht und müssen gewechselt werden, aber die Darmsaiten kann man monatelang benutzen.
Sie bieten mehr Attacke, aber auch mehr Weichheit. Wenn man Wärme braucht, dann ist sie gleich da. Diese Wärme gibt es bei den Metallsaiten eigentlich nicht mehr.
? Ihr plant eine Aufnahme für das Label Arcana mit den beiden Streichquartetten Dvořáks, die wir auch im Konzert hören – op. 9 und op. 106. Warum habt ihr diese beiden ausgesucht?
IG: Sie kommen aus zwei verschiedenen Schaffensperioden. Das eine ist relativ berühmt – ein spätes Werk, das vorletzte Quartett. Es ist nicht das letzte – es hat zwar die Opuszahl 106, aber op. 105 wurde später geschrieben. Es ist ein Universum, eine Saga, da steckt ein ganzes Leben drin. Diese Spätwerke haben so viel Tiefe, so viele Schichten. – Das andere Werk ist eigentlich kein Jugendwerk, Dvořák war ja schon 34 oder 35. Aber er hat sehr lange gesucht und ausprobiert, war hin- und hergerissen. Die meisten Werke, die er zwischen 20 und 40 geschrieben hat, werden kaum gespielt, weil man sie nicht als Dvořák wahrnimmt.
? Auch diese Werke werdet ihr auf Darm spielen. Gibt es für dich eigentlich eine zeitliche Grenze, bis zu der du sagen würdest, das kann man auf Darmsaiten machen?
IG: Es gibt natürlich Werke aus der Nachkriegszeit, die eindeutig nicht für Darmsaiten geschrieben wurden. Aber vor dem 2. Weltkrieg haben die meisten Streicher auf Darmsaiten gespielt. Man kann so gut wie alles bis zur 2. Wiener Schule auf Darm spielen. Und es gab schon sehr erfolgreiche Versuche – zum Beispiel vom Orchester Les Siècles – das Bartók und Strawinsky auf historischen Instrumenten aufgenommen hat – ganz wunderbar.
Es ist ein neues Terrain, eine neue Klangwelt, die einfach verfolgt werden muss. Diese Wärme und diese klangliche Farbenvielfalt werden bei den historischen Instrumenten noch mehr erfahrbar. Hautnah.
Das Gringolts Quartett und seine Mitglieder
Ein lebendiger, intensiver Dialog der Epochen – das ist ein Grundanliegen von Ilya Gringolts, einem der herausragenden Geiger seiner Generation und Primarius des Gringolts-Quartetts. Das 2008 gegründete Streichquartett steht für einen leuchtenden, zur Einheit verschmolzenen, gleichzeitig extrem ausdifferenzierten Ensembleklang: glühend, dicht, warm glänzend wie Bronze und Gold, mit maximal expressiver Wirkung, dann wieder quecksilbrig beweglich und dynamisch, transparent und bis ins kleinste Detail durchhörbar. Die Interpretationen des Quartetts sind von einer großen musikalischen Reife und einer beeindruckenden technischen Überlegenheit gekennzeichnet, die aber nie vordergründig ist, sondern immer im Dienst der Musik steht.
Das in Zürich beheimatete, international besetzte Ensemble – Ilya Gringolts hat russische Wurzeln, die Geigerin Anahit Kurtikyan stammt aus Armenien, die Bratschistin Silvia Simionescu aus Rumänien und Cellist Claudius Herrmann aus Deutschland – hat sich einen Namen in den bedeutenden Konzertsälen und auf den großen internationalen Festivals gemacht. Die vier Musiker:innen waren schon vor der Quartett-Gründung durch viele kammermusikalische Begegnungen freundschaftlich verbunden und haben in verschiedenen Formationen zusammen musiziert, Claudius Herrmann und Anahit Kurtikyan gehörten zeitweilig zum renommierten Amati Quartett.
In den vergangenen Spielzeiten war das Quartett unter anderem bei den Salzburger Festspielen, den Festivals in Lucerne, Verbier und Gstaad, bei den Settimane Musicali Ascona oder dem Edinburgh International Festival zu Gast und tritt regelmäßig in namhaften Konzertsälen wie dem Concertgebouw Amsterdam, der Elbphilharmonie Hamburg, der Wigmore Hall London, der Philharmonie Luxembourg, dem Stockholm Konserthuset, dem Festspielhaus Baden-Baden, am L’Auditori Barcelona, bei der Sociedad Filarmónica de Bilbao, bei Lugano Música oder der Società dei Concerti in Mailand auf.
Das Gringolts-Quartett hat von Anfang an mit exquisiten CD-Aufnahmen auf sich aufmerksam gemacht, darunter vor allem mit Werk-Einspielungen von Braunfels, Glasunow und Tanejew, Mendelssohn und Enescu und dann vor allem von Schönberg und Brahms.
Alle Mitglieder des Gringolts Quartetts spielen auf seltenen italienischen Instrumenten: Ilya Gringolts spielt eine Stradivari „ex-Prové“, Cremona 1719, Anahit Kurtikyan eine Camillo Camilli Violine, Mantua 1733, Silvia Simionescu eine Jacobus Januarius Bratsche, Cremona 1660 und Claudius Herrmann ein Maggini Cello, Brescia 1600.
Der Sakralraum des Fraumünsters hat eine wunderbare, auch komplexe Akustik. Für jedes Late Night Music bieten wir unseren Besucherinnen und Besucher ausreichend viele Plätze an, die einen optimalen Hörgenuss geniessen, immer mit guter Sicht und vor allem angepasst an im Raum wandernde Stimmen und Instrumente. Reservieren Sie bitte ein Ticket rechtzeitig, kommen Sie nicht zu spät an die Abendkasse – dann finden Sie in jedem der unterschiedlich besetzten Konzerte Ihren passenden Platz.
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