
Über die Faszination, auf originalen Hammerflügeln zu spielen
Meine erste Begegnung mit der Welt historischer Flügel hatte ich vor 35 Jahren. Am Anfang für mich etwas befremdlich, war ich doch an Klang und Charakter des modernen Flügels gewohnt – das war mein zu Hause. Durch Begleitung meines damaligen Lehrers Jörg-Ewald Dähler und eigene Konzerte lernte ich die historischen Instrumente mehr und mehr lieben.
Jeder Hammerflügel aus der Zeit der Wiener Klassik hat eine eigene Persönlichkeit. Als Pianist bin ich „gefordert“, Freundschaft zu schliessen mit dem Instrument, es zu entdecken. Das Instrument mit seinen Stärken und Schwächen führt mich und ist ein „kreativer“, entscheidender Partner in der Beziehung zwischen KomponistInnen, Pianist und ZuhörerInnen.
Als Musiker inspirieren mich die Hammerflügel, sind aber auch eine Herausforderung. Denn die „Reaktion“ der Instrumente ist nicht vorhersehbar. Die musikalische Ebene, die sich meiner Kontrolle entzieht, schafft einen Raum für Unerwartetes und Besonderes. Das birgt Risiken, macht den Moment aber lebendig.
Beim Spiel mit Hammerflügeln erlebe ich auch eine besondere Nähe zum Publikum. Mein eigenes Hören verbindet sich nach einer kurzen Eingewöhnungsphase mit der Aufmerksamkeit des Publikums. In diesem Zustand entwickelt ein Hammerflügel einen unglaublichen Reichtum an Nuancen, an Transparenz, aber auch Kraft, Tiefe, Schroffes und Ungestümes. Die Grenzen des Instruments werden erfahrbar gemacht und bilden einen klanglichen und emotionalen Rahmen von feiner Poesie und grosser Intensität. (Tobias Schabenberger)
